Grundlage: Neokoloniale Arbeits- und Besitzverhältnisse

Im Zuge des europäischen Kolonialismus seit Ende des 15. Jahrhunderts wurden die bestehenden ökonomischen und gesellschaftlichen Lebensweisen in den besetzen Gebieten oftmals zerstört und durch solche ersetzt, die den europäischen Kolonisator*innen bzw. Wirtschaftsunternehmen nützten.[1] Die Jahrhunderte andauernde Ausbeutung des Südens sowie die zunehmende Privatisierung von vorherigen Gemeingütern sowie die Zerstörung kooperativer und kollektiver Strukturen auch in Europa ermöglichte den wirtschaftlichen, militärischen und politischen Aufstieg europäischer Staaten, die Industrialisierung in Europa und die globale Etablierung des europäischen Kapitalismus. Die dadurch entstandenen sozio-ökonomischen und politischen Strukturen sind bis heute die Basis für die weltweite Vormachtstellung des Globalen Nordens, aber auch für die Macht jeweiliger Eliten im Globalen Süden.

Nach dem anfänglichen Raub von Ressourcen und der Verschleppung und Versklavung von Menschen aus dem Globalen Süden wurden nach und nach die Ökonomien und Gesellschaften in den Amerikas, Afrika, Asien und Australien nach den Bedürfnissen Europas ausgerichtet. Beispielsweise wurden Monokulturen eingeführt, so dass seither wenige Rohstoffe oder Agrarprodukte das gesamte Wirtschaftswesen dominierten. Das bedeutet, dass viele Länder langfristig vom An-/Abbau eines Produkts, das für die Bewohner*innen keinen direkten Nutzen hatte und hat, sowie von dessen Nachfrage und Abnahme durch Konzerne und Konsument*innen aus dem Norden abhängig wurden [Link zu „Kolonialwarenläden“].

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Veranstaltungshinweis

Fokus Kongo: Zwischen Ausplünderung, Überleben und sozialen Kämpfen für ein besseres Leben

Veranstaltungstour im Vorfeld mit Victor Nzuzi (Bauer, Mitglied von Via
Campesina und Globalisierungskritiker aus der Demokratischen Republik Kongo)

Göttingen: 01. Oktober, 18:00 Uhr: Our House OM10, ObereMasch-Straße 10,
37073 Göttingen

Kassel: 02. Oktober, 19:00 Uhr: KollektivCafé Kurbad, Sternstr 20,
34123Kassel

Meuchefitz: 03. Oktober, 19:30 Uhr: Gasthof Meuchefitz, Meuchefitz19,
29482 Küsten

Bremen: 04. Oktober, 19:00 Uhr: DGB-Haus, Bahnhofsplatz 22-28, 28195 Bremen

Leipzig: 06.-08. Oktober: Konferenz “Selbstbestimmt und solidarisch”

Dresden: 09. Oktober: vgl. www.afrique-europe-interact.net

Spätestens seit Geflüchtete und Migrant_innen im Sommer 2015 das
europäische Grenzregime vorübergehend aus den Angeln gehoben haben, ist
seitens der EU-Regierungen viel von “Fluchtursachen” die Rede. Diese
müssten durch milliardenschwere Entwicklungsprogramme “bekämpft” werden,
nur so sei verhinderbar, dass weitere Menschen Richtung Europa
aufbrechen würden. Das klingt plausibel, allerdings werden die Ursachen
für die desaströsen Verhältnisse im globalen Süden meist ausgeblendet,
und auch bleibt die Frage unbeantwortet, welche Art von Entwicklung
überhaupt gefördert werden soll.

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Schwarze Menschen als Arbeiter*innen im „chinesischen Dorf“ im Bergpark Kassel

Exotismus hat viele Gesichter. Im ausgehenden 18. Jahrhundert galt es als chic, Weltläufigkeit in landschaftsgärtnerischer Form zu demonstrieren. Im Kasseler Bergpark wurde hierzu auf Initiative von Landgraf Friedrich II. ab 1781 das chinesische Dorf „Mulang“ eingerichtet, um mit Mühle, Schafstall und Milchhäuschen idyllisches Landleben zu inszenieren. Allerdings gelang es nicht, chinesisches Personal anzustellen. Stattdessen arbeiteten dort etwa 50 Schwarze Menschen. Einige von ihnen wurden vermutlich – so die Historikerin Petra Werner – von nordhessischen Offizieren aus den amerikanischen Befreiungskriegen nach Deutschland verschleppt; andere scheinen aus Kamerun nach Kassel gelangt zu sein. Einige von ihnen starben früh durch Krankheiten oder Suizid. Über den Verbleib ihrer sterblichen Überreste – und über eine würdige Bestattung – ist kaum etwas bekannt; möglicherweise befinden sie sich in der Marburger Anatomischen Sammlung. Weiterlesen “Schwarze Menschen als Arbeiter*innen im „chinesischen Dorf“ im Bergpark Kassel”

Kolonialismus an den Ladentheken

Anders als heute, wo Lebens- und Genussmittel wie Kaffee, Kakao, Tabak oder verschiedene Gewürze in standardisierter Form im Supermarkt verkauft werden, wurden sie bis vor wenigen Jahrzehnten in Kolonialwarenläden – auch Kram- oder Gemischtwarenläden genannt – angeboten. Diese Läden waren häufig Familienbetriebe und nicht selten in Wohnhäuser integriert, wo ein Zimmer zum Verkaufs- und Lagerraum umfunktioniert wurde. Dies mag idyllisch erscheinen; aber die die Möglichkeit, Kaffee, Tee, Tabak usw. in Europa zum Verkauf anzubieten, war mit kolonialer Eroberung und Ausbeutungsverhältnissen verbunden.

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