Zunächst untersuchten die visuellen Gestalter*innen in unserer Gruppe die visuellen Sprachen der Lehrbücher der ehemaligen „Deutschen Kolonialschule“ in Witzenhausen, die sich heute im Bestand der Bibliothek des Deutsches Institut für tropische und subtropische Landwirtschaft (DITSL) befinden.Wenig überraschend fanden sie stereotype Ikonographien (Palmen oder Steppen, wilde Tiere, gestohlene künstlerische/kunsthandwerkliche Gegenstände, Kolonialist*innen in Herrscherposen) und stereotype Farbgebung (Brauntöne) als Elemente einer visuellen Sprache des Kolonialismus. Dessen visuelle Stereotypologie ist bis heute manifester Gehalt der visuellen Kultur deutschsprachiger Länder. Seine Elemente ziehen sich durch alle gestalterischen und künstlerischen Felder, pop- ebenso wie ‚hochkulturell‘. Also erprobten die Gestalter*innen verschiedenste visuelle Methoden der Zersetzung und/oder Dekonstruktion dieser visuellen Tradition (Aufblasen, Zerschneiden, Zerpixeln, Rastern, Elemente Rekombinieren, Abstrahieren, …).

Die Ergebnisse dieser Versuche lösten sich aber immer noch zu wenig aus dem ja zu dekonstruierenden kolonialen visuellen Regime. Also fielen einige klare Entscheidungen: Die Farbgebung der Webseite orientiert sich entschieden weg von den braun-rost-rot-orange-Tönen des deutschen kolonialen visuellen Regimes, hin zur Farbpalette eines anderen historisch-kulturell-geopolitischen Raumes: Afrika – ein Afrika, das sich online befindet und eine Vielheit multinationaler Afrikaner*innen repräsentiert.

Weiter entschieden wir, eine Karte als Ausgangspunkt/Homepage der Webseite zu entwerfen, wobei für uns angesichts der Wichtigkeit des Erstellens von Landkarten für koloniale Projekte wichtig war, eine Karte zu entwerfen, die sich abkehrt vom Anspruch, eine Wirklichkeit darzustellen, sondern ihre Konstruiertheit betont. Auf der Karte sind (post-)koloniale Orte in Kassel markiert und kurz beschrieben. Im Forschungsteil der Webseite können längere Texte gelesen werden, die nach den Themenbereichen der Karte kategorisiert sind und auch nach Schlagwörtern (Tags) sortiert werden können.

Für die Übersetzung der Recherche in die Webgestaltung wird die Webseite kassel postkolonial als Raum gedacht, in dem Besucher*Innen sich bewegen. Gestalterisch möchten wir mit den typischen Darstellungs-Hierarchien von Blogs brechen. Gleichzeitig soll durch das Layout der Leseseiten ein niedrigschwelliger, barrierefreier Einstieg in die Texte und eine konzentrierte Leseatmosphäre geschaffen werden.
Diese Aspekte wurden mit der Recherche zu Farben und Bildgebung kombiniert.

Gestaltung & Erstellung der Webseite (creative direction)

Evelyn Wangui Gichuhi
http://www.evelynwangui.com/

Helen Stefanie Schneider
http://www.helenstefanie.com/

Holger Jenss
http://www.whatajob.net/

with special credits and thanks to
http://www.tupviskom.net