Grundlage: Rassismus im Alltag

Beleidigungen wegen zugeschriebener Herkunft, die andauernde Frage, von wo mensch „wirklich herkommt“, ständige Polizeikontrollen, unerlaubtes In-die-Haare-gefasst-Bekommen durch Fremde, psychische Herabwürdigung und physische Gewalt – all dies sind Formen des alltäglichen Rassismus in Deutschland. Diese Erfahrungen werden deswegen mit so problematischer Regelmäßigkeit und Vorhersagbarkeit im ganzen Land gemacht, weil sie Tradition haben: Rassismus ist eine europäische Denktradition, die in den Jahrhunderten des europäischen Kolonialismus verfestigt wurde und Menschen in vorgeblich bessere und schlechtere, höher- und minderwertige, fortgeschrittene/moderne und primitive einteilt. So wurde und wird ein Mythos der angeblichen Überlegenheit der weißen Europäer*innen aufrechterhalten, der Ausgrenzung und Ausbeutung von Schwarzen Menschen, People of Colour, Menschen aus den vormaligen Kolonien, Sint*ezza und Rromn*ja bzw. Jüd*innen gerechtfertigt. Rassismus zeigt sich als eine relativ stabile Struktur der Diskriminierung und Benachteiligung der rassistisch Herabgewürdigten – und eben als tägliche Praxis, als „kleine Arsendosen“ in Form sogenannter Mikroaggressionen des alltäglichen Rassismus. Rassismus findet in der Schule, den Medien, der Polizei, auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, in der Öffentlichkeit und in Privatleben auf verschiedene Art und Weise statt. In diesen Bereichen fungiert häufig Sprache als wirkmächtige Vermittlungsstruktur des Rassismus. Die fortwährende Verwendung kolonialrassistischer Begrifflichkeiten verbleibt dabei jedoch innerhalb der weißen Mehrheitsgesellschaft häufig unbemerkt oder gar ignoriert. Denn weiße Menschen in Deutschland sind insofern privilegiert, als sie sich mit Rassismus – inklusive dem von ihnen selbst bewusst oder unbewusst verübten Alltagsrassismus – nur dann auseinandersetzen müssen, wenn und solange sie dies wünschen. Die von Rassismus Betroffenen entkommen dagegen selten der alltäglichen Konfrontation und entwickeln deswegen Empowerment [Link Empowerment Dossier Böll], Selbstorganisation [Link ISD, Link Korientation, Link IniRromnja https://inirromnja.wordpress.com/], Kampagnen zur Aufdeckung und Bekämpfung von Rassismus [Link Rassismusbericht] sowie die Verspottung der Vorhersagbarkeit von Rassismus [Link Youtube Video Schwarze Frau spielt weiße Rassistin] als Strategien der Gegenwehr. Da Rassismus alle Beteiligten beschädigt, stellen diese Formen der Gegenwehr eine wichtige Ressource dar, von der auch durch Rassismus Privilegierte profitieren können, indem sie Rassismus erkennen und vermindern.

Offener Brief an den AStA der Universität Kassel

Betr.: Veranstaltung zu Critical Whiteness

Sehr geehrte Damen und Herren,

das AStA-Referat für Antidiskriminierung und offene Gesellschaft hat (gemeinsam mit dem AK Raccoons und dem Bündnis gegen Antisemitismus) im Rahmen der Vortragsreihe „Reaktionäre Ideologien im fortschrittlichen Gewand“ am 20.6.2017 eine Veranstaltung mit Sören Pünjer mit dem Titel „Fifty shades of black and white – Der politisch korrekte Rassismus der Critical Whiteness“ durchgeführt.

Wir von der Initiative Kassel postkolonial – viele von uns Studierende dieser Uni – möchten den AStA fragen, wie es sein kann, dass das Referat für Antidiskriminierung einen Referenten einlädt, der …

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